Hell Wars: Pure Trash

Autor: Benjamin Helbig

 

Der Friedhof. Traditioneller Austragungsort für Kämpfe zwischen Himmel und Hölle, wobei die Hölle an einem solchen Ort mit derart vielen potenziell untoten Kriegern klar im Vorteil ist.
Ich patrouilliere mit meiner Schrotflinte, welche ich lässig gegen meine Schulter gelehnt habe, zwischen den Gräbern umher. Mein knöchellanger schwarzgegerbter Mantel weht mit dem Wind.
Mein Name ist Kot. James Kot. Und ich bin Verteidiger der Erde.
Gleich wird es soweit sein und der Herr der Unterwelt wird seine Schergen der Hölle einmal mehr auf diesen Planeten loslassen. Ich bin hier, um zu verhindern, dass sie sich längerfristig in dieser Welt manifestieren können.
Ich mache das schon seit einigen Jahrhunderten. Der Job ist gut bezahlt und macht in den allermeisten Fällen auch noch Spaß - ich kann mich also nicht beklagen.
Ein Blick auf die Kirchturmuhr in der Ferne verrät mir, dass mir bloß noch ein paar Sekunden bleiben, bevor die Hölle losbricht. Traditionell lässt die Unterwelt ihre Schergen pünktlich um Mitternacht, in der dunkelsten Stunde, auf die Erde los. Klingt wie in einem billigen 08/15 Zombiestreifen, ist aber für mich jeden verdammten Tag bittere Realität. Oder dank meiner mit Silberkugeln gefütterten, automatischen Schrotflinte nicht ganz so bitter. Ich hab ja sonst keine Hobbys.
Die Eingangstore des Friedhofs habe ich geschlossen, sodass kein Krieger der Hölle in die Welt der Sterblichen entkommen kann. Sie werden demnach allesamt auf den nächstgelegenen nahrhaften Fleischklops - mich - losstürmen, in der Hoffnung ihn verspeisen, oder zu einem der Ihren machen zu können. Eigentlich sollte Satan so langsam mal begreifen, dass seine Schergen hier nur auf mich treffen. Aber er ist und bleibt halt ein verdammter Idiot.
Ah, meine Ohren vernehmen das liebliche Geräusch der leis‘ läutenden Glocke in der Ferne. Sie schlägt Mitternacht. Dann sollte es jetzt losgehen.
Wie auf Kommando erblicken die ersten kalkweißen, verrotteten Hände, wie in einem alten, aber durchaus gelungenen, Schwarz-Weiß-Film aus den 60ern, das dämmrige Licht des Vollmondes, der hell über uns thront und die gesamte Szenerie in sein schaurig fahles Dämmerlicht hüllt.
Schnell wuchte ich meine Schrotflinte hinunter in die feuchte, modrige Erde eines Grabes, aus dem eine der ersten Hände heraus lugt, und entlade eine Schose Silberkugeln in die Erde hinunter, woraufhin die Hand kurz aufzuckt, um anschließend zu Staub zu zerfallen.
Blitzartig hechte ich zum nächsten Grab, aus dem die Hand eines Kadavers herausschaut, packe sie und reiße den dazugehörigen Körper mit einem kräftigen Ruck zur Hälfte aus der Erde. Überrascht und berechtigterweise leicht panisch blickt die hässliche Gestalt umher, bis ich ihr die Schrotflinte vors gammlige Fressbrett halte und ihr den leeren Schädel weg blase.
„BÄM!“
Es haben sich anscheinend bereits Einige aus ihren modrigen Gräbern befreien können. Dort vorne kommt nämlich auch schon der Nächste angelaufen, der sich ein paar Kugeln aus meiner Flinte einfangen will. Die sind heute schneller als erwartet, aber darauf bin ich vorbereitet.
„Komm näher, Kadaverfresse...
Noch näher...
Da fängste dir dein Päckchen!“
Mit einem gezielten Schuss ballere ich dem Drecks-Vieh die Kauleiste weg. Sie zerfällt, genau wie der Rest des Körpers, zu schwarzem Staub, welcher sich schnell mit dem Wind über den Friedhof verteilt.
Immer mehr Zombie-Spacken wuchten sich aus ihren Gräbern und rennen strahlend auf mich zu, als wären es Frauen. Manche scheinen zu grinsen, weil ihnen die Lippen längst weggeschimmelt sind.
Lachend ballere ich einem weiteren, zu Lebzeiten bestimmt außerordentlich gutaussehenden, verwesenden Kadaver das Hirn aus dem modrigen Schädel.
„Yeah, Baby! So langsam komm ich in Fahrt!“
Hinter mir ist Einer schon gefährlich (nicht wirklich) nahe gekommen. So nahe, dass ich ihm gleich die Mündung meiner Kanone zwischen die verfaulten Zähne ramme und abdrücke. Ich sehe noch, wie sein Schädel hinten aufreißt und das Hirn heraus geschleudert wird, bevor er, wie die Anderen zuvor auch, zu schwarzem, unheiligem Staub zerfällt.
Nur gut, dass ich mein superhippes, mit modernster Technologie ausgestattetes, Silbergewehr niemals manuell nachladen muss. Die Munition wird direkt von einigen Erzengeln im Himmel in ein kleines Teleportationsfeld innerhalb der Munitionskammer gesandt. So kann ich für Ewigkeiten weiterballern, ohne auch nur einmal nachladen zu müssen. Ja, für den Himmel zu arbeiten hat schon so seine Vorzüge.
Mittlerweile prasselt das lichtscheue Gesindel von allen Seiten auf mich ein.
Ich drehe mich blitzschnell um die eigene Achse, zweimal rundherum, und mähe alles nieder was sich bewegt. BAMM! BAMM! BAMM! BAMM! BAMM! BAMM! MONSTERKILL!!!
Meine Shotgun qualmt ordentlich vom wilden Geballere, ermüdet jedoch noch lange nicht. Ich kann mich auf sie verlassen. Sie ist meine ABF, meine allerbeste Freundin. *smile*
Mein Mantel wirbelt umher und ich habe Mühe ihn unter Kontrolle zu halten. Aber Hauptsache er sieht gut aus.
Dort vorne nähert sich die nächste Schar untotes Pack. Meine Hand gleitet zu meinem Gürtel hinunter und bekommt eine Granate zu fassen, welche dort, neben einigen weiteren, auf ihren Einsatz wartet. Schnell löse ich sie aus ihrer Halterung und ziehe den Stift ganz cool mit meinen Zähnen heraus. Jetzt ist sie scharf wie Chili und explosiv wie Scheiße und wird in fünf Sekunden in die Luft fliegen. Die Schar Untoter nähert sich beständig. Ich warte drei Sekunden, damit sie auch zügig nach dem Wurf explodiert, und schmeiße sie dann in hohem Bogen Richtung Gammelbrüder.
Kurz vor ihnen prallt sie auf den Boden und detoniert mit einem lauten Knall nahezu sofort. Es zerreißt die drei faulen Brüder in ihre Einzelteile. Extremitäten fliegen durch die Luft und lösen sich anschließend in Staub und Wohlgefallen auf.
Der Nächste steht bereits hinter mir und will sich gerade auf mich stürzen, doch ich bin schneller, packe eine weitere Granate und stopfe sie ihm ins Maul. Eilig ziehe ich den Stift und trete den faulen Hund mit einem kräftigen Tritt zu Boden. Mit einer spontan ausgeführten Hechtrolle nach hinten bringe ich mich in sicheren Abstand zu dem Lumpenpack und sehe freudig bei der Explosion und Zerfetzung des Untoten zu. Hach, was ein Spaß.
Eine weitere Kackfresse hat meinen Standort beinahe erreicht. Ich bereite mich kurz vor, sammle meine inneren Kräfte, fokussiere sie auf das Ziel (die untote Kackbratze) und strecke es mit einem meisterlich ausgeführten Original-NorrisBased-Roundhousekick nieder.
„Yeah, Baby, Yeah!“
Da ist auch schon der Nächste. Na das ging ja fix.
Mit nem Uppercut cutte ich dem Kacker den Kappes ab.
Das ging sogar noch fixer.
Freudestrahlend widme ich mich nun wieder ganz meiner ABF und erwarte die nächsten Zombies mit offenen Armen und einer geladenen Pumpgun.
Ich entschließe mich dazu, dieser Welle angreifender Unholde meine Special-Shooting-Moves zu zeigen, welche ich mir in diversen utopischen Sci-Fi-Actionfilmen abgeschaut und angeeignet habe.
Ausfallschritt links, FEUER!, Ausfallschritt rechts, FEUER!, 90-Grad-Drehung, FEUER!, Überkopf-Drehung, FEUER!, Sprung in die Luft und Beine zusammenklatschen, FEUER!, Hampelmann machen, FEUER!
Und schon zieht eine schwarze Staubwolke nach der anderen über den Friedhof.
„Yeah, Motherfuckers! Wer ist hier der Boss?“
Offensichtlich bin ich es nicht, denn nachdem ich den Satz ausgesprochen habe, bricht eine ziemlich große, wahrscheinlich einige Jahrhunderte alte Mumie das dicke Steintor des Mausoleums auf. Sie sitzt auf einem ebenfalls mumifizierten Gaul, der sich drohend auf die Hinterläufe stellt und mit etwas angestaubten Stimmbändern zu wiehern versucht. Anschließend trabt er in wildem Galopp auf mich zu.
Ich richte meine ABF auf diesen scheinunheiligen Hinterwäldler, warte noch bis er etwas näher bei mir ist, und verpasse ihm ne Ladung Silberschrot.
Nichts.
Nur ein paar Fetzen seiner Mumifizierung fliegen durch die Gegend, doch Reiter und Pferd scheinen unverletzt.
„Oh Scheiße.“
Das kannst du laut sagen. Oh, jetzt rede ich schon schriftlich mit mir selber. Verdammt. Daran kann selbst ein Laie erkennen, dass ich leicht panisch werde. Aber durch so eine kleine, untote, unverwundbare Mumie auf so einem kleinen, untoten, unverwundbaren Gaul lässt sich doch ein derart gestandener Mann wie ich nicht entmutigen. Nein, keineswegs.
Genug Mut zugesprochen. Machen wir ihn platt!
Ich weiche dem ersten Angriff dieses Klopapiermännchens durch eine geschickte Seitwärtsrolle im richtigen Moment aus. Er trabt ein paar Meter an mir vorbei und wendet, um erneut auf mich loszugehen.
Was mach ich denn jetzt?
Zunächst einmal lasse ich einen unverschämten, zerfledderten Kadaver, welcher meine kurzzeitige Unachtsamkeit dreist auszunutzen gedachte, das Loch meiner allerbesten Freundin schmecken und blase ihm mit dessen Inhalt den Kopf weg.
Dann sehe ich mich gezwungen, auch dem nächsten Angriff des mumifizierten Drecksviehs ausweichen, um zu überleben.
Durchdringend funkelt mich das Toilettenmonster an und fixiert mich mit seinen dämonisch leuchtenden Augen.
Einmal probier ich’s noch mit meiner ABF.
BAMM!
Nichts außer ein paar durch die Lüfte wirbelnde, stinkende Stücke Toilettenpapier - und das trotz Silberkugeln.
Okay, jetzt wird’s wirklich ernst.
Der Friedhof entbehrt noch nicht mal mehr eine Hand voll untoter Kreaturen, dann ist schon Schluss mit Satans Horden. Wenn da nur nicht diese verdammte Mumie auf ihrem dreckigen Gaul wäre, die da so bösartig auf mich zu galoppiert kommt.
Als sie mich erreicht, springe ich gekonnt zur Seite und kriege im letzten Moment noch den einbalsamierten Schweif des Gauls zu packen. In wildem Galopp werde ich, unbeholfen am stinkenden Schweif des Pferdes hängend, über den staubigen Boden quer über den ganzen Friedhof geschliffen.
Vorbei an zwei sexy Zombie-Zwillingen, deren Reizen ich unter anderen Umständen nicht abgeneigt wäre, denen ich nun aber sanft und cool wie selten im Galopp noch jeweils ne Kugel durch ihre gammligen, aber immer noch äußerst gutaussehenden Schädel jage.
Meine ABF lasse ich auch jetzt nicht fallen, beim besten Willen nicht. Ich hänge sie mit gespielter Lässigkeit über meine Schulter, an der ich eine private Halterung extra für sie anfertigen lassen habe, und ziehe mich etwas schwerfällig am Schweif des Toilettenpferdes hinauf.
Wir rasen noch immer in hohem Tempo über den Friedhof.
Sie versuchen mich mit immer wilderen Stunts abzuschütteln, doch einen Kot schüttelt man nicht so einfach ab.
Plötzlich muss ich hören und riechen, wie das verrottete, untote Pferd einem Pups die Freiheit schenkt. Er prallt mit voller Wucht gegen mein überraschtes Gesicht und bringt mich um ein Haar zu Fall, aber ich wäre kein reinrassiger Kot, wenn mich schon so ein kleiner, vergammelter Furz umhauen würde.
Meine Handlungen waren bisher allesamt eher spontaner Natur, doch jetzt kommt mir auf einmal eine ebenso brillante wie bizarre Idee.
Ich greife nach einer Granate an meinem Gürtel und beiße den schützenden Stift mit meinen Zähnen heraus. Sie ist scharf. Ich fixiere das stinkende Kackloch des alten Gauls und ramme ihm die Granate mit voller Wucht hinein. Mein Arm gleitet förmlich in sein einbalsamiertes Hinterteil.
Mit vor Ekel verzerrtem Gesicht ziehe ich meine Hand wieder heraus und lasse mich fallen. Die Granate steckt nun tief im Darmtrakt des Pferdes und wartet ein paar Sekunden auf ihre zweckmäßige Explosion. Hoffentlich flutscht sie nicht vorher wieder heraus, so glitschig wie es da drinnen war.
Mein Arm hat eine grau-bräunliche Farbe angenommen. Er ist voll mit ranziger Scheiße.
Der faule Gaul wendet und galoppiert erneut auf mich zu. Ich renne so schnell ich kann vor ihm davon und warte auf die Explosion der Granate in seinem Arsch.
Mit einem lauten Knall fliegt das Pferd mitsamt Reiter in die Luft.
Toilettenpapier und verfaultes Fleisch verteilt sich über den Friedhof.
Es ist geschafft. Das waren die letzten untoten Kreaturen für heute. Satans Angriff auf die Erde ist abgewehrt. James Kot ist Meister aller Klassen.
Ich löse meine ABF wieder von ihrer Rückenhalterung und küsse sie.
Ein Blick auf meinen Armbandkillcounter verrät mir meine aktuelle Killbilanz:
__ (hier korrekte Zahl eintragen) untote Penner habe ich heute zurück in die Hölle verfrachtet. Das dürften mir die Erzengel gut bezahlen.
Doch für eine Siegesfeier bleibt nicht genug Zeit. Bald wird Satan wieder irgendwo auf der Welt angreifen und ich muss mich sputen dort rechtzeitig aufzukreuzen.
Doch hier ist die Schlacht fürs Erste gewonnen.
James Kot - stets zu Diensten.

 

Lösung:  Achtundzwanzig

 
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