Gesetz des Rächers


Autor: Benjamin Helbig



Eine eiskalte Winternacht.
Die Kälte dringt durch sämtliche Poren meines Körpers ein und lässt mich frieren.
Leicht bekleidet stapfe ich durch die klirrende Kälte der Nacht, stapfe durch die weite, weiße Schneelandschaft, welche sich schier unendlich vor mir erstreckt.
Kann mir kaum einen klaren Gedanken an die Tat abringen, welche hinter mir liegt. Sie ist vergangen, sie sind alle vergangen... so vergänglich wie der Schnee unter meinen Füßen, wie das Leben selbst.
Der Hass ist abgeklungen, die Hitze des Hasses im Angesicht des Todes erkaltet.
Ich habe den Leben ein Ende bereitet. Ein Ende, welches sie verdienten. Jedes einzelne Leben verdiente dieses jähe Ende des Zorns. Heraufbeschworen durch unendliche Demütigung, Jahr für Jahr. Die Rache war mein. All die Jahre entluden sich in einem kurzen Moment der absoluten Zerstörung.
Das Haus verschwindet hinter mir langsam im Nebel. Vor mir nichts als weißes Nichts. Ich wandere am Ende der Welt dem Ende des Lebens entgegen.
In meiner zitternden Hand das Mordinstrument, die kleine Waffe der Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit...
Habe ich sie mit meiner Tat schaffen können?
Ist alles nun rein und alles vergolten?
Mein Körper wirkt taub, taumelnd im Nichts. Das Ende ist nah, ganz nah.
Schwerfällig schleife ich ihn weiter den weißen Hang hinauf, weiter zum Ende hin.
Was ich tat war nichts weiter als reines Recht.
Ich bin auf den schmalen Pfaden des Rächers gewandelt und habe getan, was getan werden musste, habe getan, was laut dem Gesetz des Rächers rechtens ist.
Ich habe das Leben Einiger lebenswerter gemacht, indem ich das Leben Anderer beendete. Es war mein Recht. Es ist ihr Recht.
Es wird dauern, bis sie sie hier draußen finden, bis sie uns hier draußen finden.
Und alles, was sich dort über die Jahre hinweg abspielte, stirbt mit mir...
"